Wortspiel: die die die die die

Die die die die die Diebe stellen stehlen stören.

Oder: Wer Alarmanlagen stiehlt, der stört.

Der der der der der Dermatologe nicht hilft nicht hilft hilft nicht.

Oder: Den zu bemühen, der nicht hilft, wenn der Dermatologe es nicht tut, bringt nichts.

Dass das “dass” das “das”, das “dass” geschrieben wird ist, ist klar.

Eine große Auswahl an Beispielen ist auf germanteaching.com zu finden.

Neuwort: dibaggen

Wo wir gerade beim Thema Computertechnik sind: Wenn jemand bei der Softwareentwicklung einen Fehler (engl. Bug, wörtl. Käfer) finden möchte, versucht er Informationen über den Zustand des Programms zu bekommen. Dieser Vorgang wird im Englischen “debuggen” genannt. Ein deutsches Wort dafür fehlt bisher.

Eine einfache Übersetzung wie “entkäfern” oder “entlausen” ist vielleicht doch etwas zu bildlich für den einen oder anderen. Wollen wir das Wort einbürgern, können wir die Schreibweise so angleichen, dass im Deutschen in etwas der selbe Wortklang entsteht. Das funktioniert recht gut mit der Form dibaggen. Ich sehe keinen Grund, warum sich diese Form nicht durchsetzen können sollte. Sie ist nicht verwechselbar, bewahrt die Aussprache und passt die Schreibweise an die deutsche Leseweise an.

Neuwort: kompositionieren

Musik wird komponiert, Bilder werden kompositioniert.

Komponieren ist für mich so sehr mit der Musik verbunden, dass eine Unterscheidung zur Komposition von Fotos und Bildern nützlich wäre; “Klasse Foto, toll komponiert,” ist einfach nicht passend. Ganz umbewusst verwenden Benutzer das Wort in Forenbeiträgen im Zusammenhang mit Fotografie.

Das Wort erfreut sich noch keiner weiten Verbreitung, Google listet 87 Ergebnisse. Obwohl kompositionieren länger als komponieren ist, schlage ich es als neues Wort zum Gebrauch im Zusammenhang mit der Gestaltung von zweidimensionalen visuellen Objekten vor, um die Verbindung zur Musik, die bei komponieren mitschwingt, zu vermeiden. Es bezeichnet den Vorgang des bewussten Arrangierens und Positionierens der einzelnen Bestandteile eines Bildes oder Fotos, sowie die Wahl des Bildausschnittes.

Thema verfehlt: “Trockenshampoo” und “intertropische Konvergenzzone”

Soeben lese ich den köstlichen Beitrag “Die Welt ist eine Google” von Ingo Börchers in dem Buch “Webdesigner’s Sketchbook” und muss feststellen, dass sich noch keiner die Mühe gemacht hat die Wortkombination “Trockenshampoo” und “intertropische Konvergenzzone”* auf einer Seite im Internet zusammenzubekommen. Hier, bitte.

Und nebenbei: wie gefällt euch die Eindeutschung von Off-Topic als Thema verfehlt? Wem fällt ein Einwort dafür ein?

*Der zweite Suchbegriff wurde auf ausdrücklichen Wunsch meiner Frau leicht geändert. Für den ursprünglichen Begriff gibt es immer noch keine Treffer auf Google. Erhalten wir uns diesen “weißen Fleck im Internet”.

Radiotipp: 12.9. 21-22 Uhr

Am 12.9. von 21-22 Uhr lesen drei Autoren der VHS-Schreibwerkstatt Hüllhorst im Bürgerfunk auf Radio Westfalica aus ihren Texten vor.

Das Programm:

  • Das Meisterwerk – über das Eheleben und Hobbys im Rentenalter. Mit Humor getextet von Volker Maschmeier aus Lübbecke.
  • Der Brötchenvogel – Wenn Menschen an der Ostsee Urlaub machen, sollten sie auf passen, dass Ihnen das Essen nicht davonfliegt. Autor ist Karsten Spilling aus Bad Oeynhausen.
  • Ein endgültiger Abschied – Erinnerungen eines damals 18-Jährigen an eine Abschlussfahrt mit der Schule. Autor ist Werner Lask aus Hüllhorst.

Zum Thema Neuwörter wird von Nudelholzen, Brötchenvogeln und Rüttelstreifen die Rede sein.

In der angegebenen Zeit ist die Sendung auch als Livestream über das Webradio unter http://www.radiowestfalica.de/Webradio.344.0.html zu empfangen.

Neuwort gesucht: backupen

Beim stöbern im Szenesprachewiki bin ich auf das Wort backupen gestoßen. Die Bedeutung, eine Sicherungskopie digitaler Daten anzulegen, ist mir durchaus geläufig, doch stößt mir das Wort jedesmal, wenn ich es in deutschem Zusammenhang lese, böse auf. Wenn schon eingedeutscht, muss es zum Mindesten backuppen lauten, sonst liest es jeder Drittklässler als “Back-Hupen”.

Aber warum halbe Sache machen? Wenn wir ein Fremdwort schon in unsere Sprache aufnehmen wollen, können wir es doch auch Deutsch kleiden, indem wir die Schreibweise so anpassen, dass es richtig gesprochen wird. Ich sehe da zwei Möglichkeiten: bägappen und beckappen.

Was meint ihr dazu?

Alternativ können wir natürlich weiterhin einfach wegsichern sagen und schreiben.

Gefunden: nachvollen

Ein interessantes, neues Wort, auf das ich heute gestoßen bin, ist nachvollen. Hier der Wortlaut:

Unsere Leser fragten anfangs häufig nach dem Wämeschutzgesetz und meinten das neue Wärmegesetz. Auch verwechseln manche das Wärmegesetz 2009 mit der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009). Dieses Missverständnis kann man leicht nachvollen: [...]

Quelle: M. Tuschinski: Kurzinfo Wärmegesetz, S. 7

Die sonst sehr gelungene Veröffentlichung scheint hier einen Druckfehler erlitten zu haben, wodurch der Zug aus nachvoll-zieh-en verloren ging.

Neugierig wie ich bin habe ich mal geschaut, wie oft Google Webseiten, die nachvollen enthalten, findet. Die Anführungszeichen bewirken, dass keine automatische Verschlimmbesserung durchgeführt wird. Google sagt: ungefähr 252 Ergebnisse.

Es lassen sich wiederkehrende Muster in den Ergebnissen finden, so dass alle Vorkommen in drei Kategorien geteilt sind:

Kategorie 1: Hier wird das fehlende ziehen nachgezogen.

denn wer einmal ein 300B Ayon gehört hat am richtigen Lautsprecher, wird die Gebrauchtpreise nicht nachvollen ziehen können

hififorum.de

Um nachvollen ziehen zu können, was nach dem Abschicken des Bewerbungsformulars passiert, ist folgende Auflistung sehr hilfreich.

pharaonen.info

kann ich voll… und ganz nachvollen ziehen, wenn das die pressefreiheit, usw. sein soll, dann is es ein armes deutschland…

giga.de

Kategorie 2: Vorwiegend in fehlerhaft indizierten PDFs anzutreffen: Falsche Getrenntschreibung von nach Vollendung:

den Staustufendes Finowkanalsließ nachVollen-dung

fh-eberswalde.de

Die Zeit andererberuflicher Tätigkeiten nachVollen- dung des achtzehnten Lebensjahres

seminare-arbeitsrecht.de

Kategorie 3a: Ob aus Unwissenheit, Faulheit oder Kreativität: umgangssprachlich wird nachvollen als vollwertiger Ersatz von nachvollziehen gebraucht. Gerne in Foren, gehäuft in Hi-Fi-Foren:

wenn du einige raumakustische Maßnahmen bei dir daheim einmal nachvollen würdest

audiomap.de

Sorry, kann ich beim besten Willen nicht nachvollen. Was hast Du denn für ein Display?

hifi-forum.de

Kategorie 3b: Aber auch in Veröffentlichungen, bei denen man sprachliche Sorgfalt erwarten würde kommt es zu dieser Wortverstümmelung:

Die Anwender können den Verlauf einblenden und damit nachvollen, wann sie auf welcher Internetseite waren.

ilt-solutions.de

die sich durch Einfachheit auszeichnet und logisch nachvollen lässt. Das gehört zu den Grundbedingungen für intuitive Bedienbarkeit.

-inosoft.com

Heute lässt sich nirgendwo mehr, selbst an Stellen, wo Reste der Mauer konserviert sind, die Brutalität der Teilung nachvollen.

mauerfotos.de

Mit Seite 7 bin ich schon am Ende der von Google gefundenen Webseiten angekommen. Im ganzen nicht die geschätzten 252, sondern lediglich 56 Treffer. Die Zahl deutet darauf hin, dass es sich hier nicht um ein absichtlich eingeführtes Neuwort handelt, sondern um eine fehlerhafte Schreibweise. In der gesprochenen Alltagssprache hat es jedoch die Chance – besonders von den Jüngeren unter uns – weitergeführt zu werden und sich vielleicht irgendwann zu etablieren.

Gefunden: Wahrheiter

Der Sprachbloggeur P.J. Blumenthal ist bei der Suche nach dem Gegenteil von Lügner auf das Wort Wahrheiter gestoßen. Gefällt mir vom sprachlichen Standpunkt aus ungemein, aber was genau ist damit gemeint? Was zeichnet einen Wahrheiter aus? Oder ist das nur wieder die Antwort auf eine Frage, die keiner stellt?

Gesucht: Clip

Beim Stöbern in Pons Bildwörterbuch stach mir der Begriff “Clip” als der Bestandteil des Kugelschreibers, der immer abbricht, wie ein Dorn ins Auge. Wie wäre es mit Klipp als Eindeutschung? Oder Klammer oder vielleicht Spange?

Gesucht: Container

Es sollte doch möglich sein, für das Wort Container eine brauchbare Eindeutschung zu finden. Der Begriff als solches mag ja gerne bestehen bleiben – es sei denn jemand hat einen besseren Vorschlag – aber die Schreibweise könnte geändert werden. Naheliegend sind die folgenden zwei Varianten:

Die Frage wurde schon einmal in de.etc.sprache.deutsch erörtert. Der Vorschlag Kontainer ist nachvollziehbar, jedoch etwas halbherzig, obgleich es anscheinend im Leipziger Duden von 1966 so aufgeführt ist. Konntäiner ist nicht ganz von der Hand zu weisen, aber ich bezweifle, dass wir uns daran gewöhnen wollen.

Weitere Vorschläge bitte?